Hotspot der Artenvielfalt
Riffe, also dreidimensionale Erhebungen auf dem Meeresboden, werden in der Nordsee nicht von Korallen, sondern von Steinen, Austern oder Miesmuscheln gebildet. Steine sind auf dem größtenteils sandigen Boden der Nordsee nicht häufig zu finden, bieten aber sehr vielen Arten einen festen Untergrund zum Anheften oder Versteckmöglichkeiten. Sie sind daher auch Kinderstube vieler Nordseefische.
Der Anemonen-Einsiedlerkrebs lebt zusammen mit einer hübschen rosa gepunktete Seeanemone, die er auf seinem Schneckengehäuse herumträgt. Sie umschlingt das Haus wie ein Mantel und heißt daher Mantelaktinie (Adamsia palliata). Ihre Mundöffnung ist von Tentakeln umgeben, mit denen sie sich Wasser und Futter zufächelt. Bei Bedrohung oder bei der Beutejagd schießt sie mit violetten, giftigen Nesselfäden.
Der Vorteil des Zusammenlebens mit dem Krebs ist für die Anemone, dass sie herumgetragen wird, nicht einsandet und so immer neue Futterquellen erreichen kann. Der Einsiedler wiederum freut sich so sehr darüber, dass die Anemone ihn mit ihren Nesselfäden verteidigen kann, dass er sie sogar mitnimmt, wenn er in ein neues Schneckengehäuse umzieht.
Der Blutseestern, der auf Englisch auch „Bloody Henry“ genannt wird, hat steife, nahezu drehrunde Arme, die nach außen immer dünner werden. Seine Oberfläche ist mit feinen Stacheln versehen. Er lebt zwischen Steinen und auf Weichböden des Nordatlantiks vom Ärmelkanal bis Norwegen.
Die Schwamm-Art kommt häufig in Küstengebieten ab der Höhe des Wattenmeeres vor.
Der Schwamm besteht aus bis zu 20 cm großen und 2 mm dicken, unregelmäßigen Krusten; seine kraterförmigen Ausströmöffnungen sitzen auf kurzen Röhren. Der Schwamm siedelt bevorzugt auf Steinen, Algen und Schalenstücken.
Die Felsengarnele hat einen durchsichtigen Körper mit braunen Streifen und die Beine tragen gelbe „Ringelsocken“. Durch dieses Muster ist sie gut getarnt. Denn die Felsengarnele muss zahlreiche Feinde fürchten – nicht nur Fische, sondern auch Vögel machen Jagd auf sie.
Miesmuscheln leben vor allem im Gezeitenbereich. Dabei stellen Miesmuschelbänke im Wattenmeer einen bedeutenden Lebensraum für andere Tiere dar.
Miesmuscheln siedeln in dichten Bänken – gerne überwachsen sie abgesunkene Holzstämme oder künstliche Strukturen wie Pfähle, Buhnen oder Hafenmauern. Manchmal können sie kilometerlange Ansammlungen von Einzelorganismen bilden. Oft ist die Miesmuschel von anderen Meeresorganismen, wie Seepocken, bewachsen. Dem Seewasser entnimmt die Miesmuschel nicht nur Sauerstoff zum Atmen, sondern auch ihre Nahrung. Denn stündlich filtert sie bis zu drei Liter Meerwasser. Alle im Wattenmeer lebenden Miesmuscheln können so das gesamte Wasser innerhalb weniger Tage filtern.
Die kleinen weißen Pünktchen an der linken Wand in diesem Becken sind ein Entwicklungsstadium von Quallen: die Polypen von der Ohrenqualle.
Unter dem Mikroskop betrachtet sehen diese Polypen aus wie Schachtelhalme. Diese erzeugen durch Sprossung (Strobilation) eine freischwimmende Meduse. Dieses geschieht ungeschlechtlich. Die entstandenen Medusen pflanzen sich dann aber geschlechtlich fort und erzeugen eine Larve – die sogenannte Planula, welche sich festsetzt und erneut zum Polypen wird.
Die aus der Familie der Cyanidiaceae stammende Rotalge verfügt über rund 4.000 verschiedene Arten.
Gefundene Fossile deuten darauf hin, dass die Rotalge bereits vor mehr als 1000 Millionen Jahren existierte. Sie kommt vor allem in Küstenregionen vor und bildet Makroalgen mit einer Länge von bis zu 60 cm. Ihren Namen trägt sie aufgrund ihrer rötlichen Farbe, die sich besonders in tieferen Gefilden durch Photosynthese bildet.
Der Körper dieser Seeanemone kann sich zu einem Hügel mit eingestülpter Mundscheibe zusammenziehen.
Im voll ausgestreckten Zustand ist die Schlammrose säulenförmig und erreicht eine Höhe von mehreren cm. Ihr Körper ist meist gestreift und trägt rund 100 schlanke, transparente Tentakel, die sie mitunter zum Schutz vor Feinden einsetzt. Die klebrigen Anemonen sind gewöhnlich im Flachwasser bis zu 50 Metern beheimatet und ernähren sich von Plankton, Krabben und kleinen Fischen.
Die Schmarotzerrose lebt oft in einer symbioseähnlichen Beziehung mit verschiedenen Einsiedlerkrebsen.
Sie kann sich entweder selbst durch komplexe Bewegungen auf Schneckenhäusern ansiedeln oder wird von den Einsiedlern (z.B. dem Anemoneneinsiedler) aktiv auf diese gesetzt. Hier profitiert sie von aufwirbelnden Nahrungsresten des Krebses. Sie kann unten am Körper lange, lilafarbene, sehr stark nesselnde Fäden ausstoßen, die den Krebs vor Angreifern schützen.
Seenelken haben bis zu 1000 feine Tentakel, die ihr ein pelziges Aussehen verleihen.
Die giftigen Tentakel benutzt diese Anemonenart, um ihre Beute einzufangen und zu lähmen. Zudem gebraucht das Blumentier seine „Arme“, um sich im Kampf um Lebensraum gegen andere Arten durchzusetzen. Bevorzugt leben Seenelken auf hartem Untergrund im flachen Wasser. Falls es ihnen zu eng wird oder der angestammte Platz nicht mehr genügend Nahrung hergibt, kriechen die Tiere langsam weiter.
Seepocken sind Krebse. Das ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen, denn der Körper ist von kegelförmigen Kalkplatten umgeben, die auf hartem Untergrund wie Steinen, Treibholz oder Krebspanzern festgewachsen sind. Sind die Seepocken mit Wasser bedeckt, öffnen sie die Deckelplatten, strecken ihre Rankenfüße heraus und fächeln Plankton aus dem Wasser. Fallen Seepocken trocken, können sie Luftsauerstoff atmen.
Das Zypressenmoos ist keine Pflanze, sondern eine Kolonie von Tierchen.
Es handelt sich um Nesseltiere, die entfernt verwandt sind mit Seeanemonen und Quallen. Jeder Polyp sitzt in einer Art Becher, der ihn bei Gefahr schützt. Er hat nesseltragende Arme, die dem Planktonfang dienen. Alle Polypen des Stocks sind miteinander verbunden und ernähren sich gemeinsam.